Ursprung des Initiationsrituals für Männer im Kloster Nigredo – ein mystischer Weg der Umkehr zum Vater

Liebe Brüder und Schwestern im Geiste, in der Tiefe der christlichen Mystik und der archetypischen Weisheit, wie sie Carl Gustav Jung uns wiederentdecken liess, steht das Initiationsritual für den Mann als ein heiliger Übergang – ein sterbendes und Auferstehen im Geist. Es ist der mutige Gang des Knaben durch das Dunkel des Unbewussten hin zum symbolischen Vater: Gott im Himmel, der ewige Quell von Wahrheit, Schönheit und dem Guten.

Dieses Ritual ruft den jungen Mann auf, seine kindliche Abhängigkeit zu verlassen, die Prüfungen des Lebens anzunehmen und durch Mut, Vernunft und seelische Tiefe zum reifen Hüter der Familie zu werden. Es lehrt ihn, Liebe nicht als blosse Empfindung zu verstehen, sondern als Vereinigung und Vollständigkeit – als heilige Verbindung von Mann und Frau, die in der gesunden Familie mit Vater und Mutter das Göttliche auf Erden widerspiegelt.

Auf der Suche nach weisen Männervorbildern – den Heiligen, den Vätern der Kirche, den stillen Helden des Alltags – wird der Initiierte zum lebendigen Zeugen der Wiederentdeckung des Göttlichen. Er empfängt die Kraft, diese Weisheit an seine Kinder weiterzugeben: nicht durch Worte allein, sondern durch sein Sein, sein Opfer und seine standhafte Führung. So wird jede Generation neu zur Umkehr gerufen, zurück zum himmlischen Vater, der uns alle in seiner Liebe vollendet.

Die persönliche Reise des Meisters: Vom väterlichen Vakuum zur Suche nach dem symbolischen Vater

Diese Praxis ist untrennbar verbunden mit der eigenen, tiefen spirituellen Reise des Meisters, die in der Leere einer vaterlosen Jugend in der Schweiz ihren Ursprung fand. Aufgewachsen in Zürich, inmitten einer Gesellschaft, die durch Scheidung, die Pille und die Umwälzungen der 68er-Bewegung zerrissen war, erlebte er einen inneren Abgrund: den Verlust des Vaters, die Fragmentierung der Familie und eine profane Welt, die das Ewige durch das Vergängliche ersetzte. Philosophie- und Mathematikstudium blieben unfruchtbar; eine schwere Verletzung nach einem Unfall fesselte ihn ans Bett, mit dauerhaften Schmerzen, die ihn lehrten, dass das Leben ein Weg des Opfers und der Hingabe ist.

Die Wurzeln im Osten - Japan - Korea

In dieser Dunkelheit erwachte die Sehnsucht nach dem mystischen Vater im Himmel. Zen-Dialoge berührten den unbewussten Geist des Vaters, weckten das Logos und verwandelten Leere in brennende Sehnsucht. Dann zog es ihn in den Osten: Ordination als Mönch in Japan durch seinen Meister Noritake Kotoku, der ihm den Namen Masan Doam verlieh. Zehn intensive Jahre folgten – zunächst im Empukuji-Kloster, dann als wandernder Bettelmönch auf einer 3000 Kilometer langen Pilgerreise von Wakkanai im Norden Hokkaidos bis Ishigaki-Jima im Süden, lebend von Almosen, Tag für Tag das Leben und den Tod erforschend.

Rohatsu Sesshin - Schule der unerbittlichen Härte und des Durchhaltewillens

In den frostigen Hallen des Empukuji Zen-Klosters nahe Kyoto, wo die strenge Tradition der Rinzaishoshu-Schule lebendig ist, wurde einmal im Jahr, stets im Januar, das Rohatsu Sesshin gefeiert – eine Woche vollkommener, gnadenloser Hingabe. Kälte drang bis in die Knochen, Schlaflosigkeit entblösste den Geist, und ununterbrochene Meditation führte Körper und Seele an die äussersten Grenzen. Sieben Tage und Nächte des reinen Sitzens, Atmens und Wachens, in denen Meditation und Religion zu einem einzigen, läuternden Feuer verschmolzen. Es war die heilige Tradition aller Klöster Japans und Koreas: ein Akt der radikalen Konfrontation mit dem Nichts, der den Willen zur Wahrheit schmiedete.

Korea

In Korea wurde er persönlicher Schüler und Assistent des Patriarchen Powha Sunim, wo die Prüfungen rund um die Uhr andauerten. Hier, in Eremitagen, Tempeln und Bergen, vertiefte sich die Praxis. Der Patriarch erkannte, dass ein einziges Rohatsu Sesshin im Jahr nicht genügte – und führte das zusätzliche Sommer-Sesshin ein, um die Härte zur ständigen Schule des Geistes zu machen. Diese Reise war mehr als Training: Sie war die Umkehr zum symbolischen Vater, die Vorbereitung auf die Rückkehr in die Heimat.

Nach der Übertragung der Zen-Meisterschaft von Meister Kotoku (Inka Shomeisho) im Jahr 2012 versprach er, den eigenen Vater in der Schweiz im Alter zu begleiten und die Kinder in der christlichen Tradition zu verwurzeln. Die Geburt des ersten Sohnes erweckte in ihm das wahre Vatersein – ein lebendiges Symbol des lebendigen Gottes.

Vom Zen zur christlichen Mystik der Vollendung

Als das Kloster Nigredo in Reichenburg in der Schweiz gegründet wurde – zunächst als Honora Zen Kloster in einem einfachen, rustikalen Dachboden in Einsiedeln, der Heimat der väterlichen Wurzeln –, übernahm es diese heilige Praxis unverändert. Zweimal im Jahr, im Januar und im Sommer, wurde das Rohatsu Sesshin gehalten: dieselbe unerbittliche Struktur von Kälte oder Hitze, Schlaflosigkeit und tiefer Versenkung. Der Durchhaltewille wurde geschmiedet, der Wille zur Wahrheit gestärkt. Doch die göttliche Vorsehung führte tiefer.

Was im buddhistischen Kontext als Weg zur Leerheit begonnen hatte, wurde in der Fülle der katholischen Mystik neu geboren. Zen, verstanden als vergessene östliche Selbstkultivierung, fand seine Vollendung in der westlichen Mystik – der direkten Begegnung mit Gott.

Meister Reding, geprägt von väterlicher Strenge aus Japan und mütterlicher Güte aus Korea, baute das Kloster als Ort der Umkehr auf. Nicht in fremder Ferne, sondern zurück zu Gott, zu sich selbst und zur geistlichen Heimat. Die Praxis des Opfers, die er in den Sesshin gelernt hatte, wurde zum Kern des christlichen Weges: „Es ist nicht der Weg der Bequemlichkeit, sondern der Weg des Opfers!“ So wandelte sich das Ritual von einer östlichen Disziplin zum sakramentalen Akt der Initiation im Lichte des Kreuzes.

Die tiefere mystische Bedeutung: Animus, Anima und die heilige Ganzheit der Seele

Im Lichte der Lehren Carl Gustav Jungs enthüllt sich die Schönheit dieses Rituals in ganzer Tiefe. Der Mann, der sich zweimal jährlich der Kälte, der Schlaflosigkeit und der Grenze stellt, vollzieht eine lebendige Integration von Animus und Anima. Er lernt, seine männliche Kraft nicht gegen das Weibliche zu stellen, sondern sie in die heilige Vereinigung zu führen zur Liebe als Vereinigung und Vollständigkeit. Dies ist kein blosser Test der Ausdauer, sondern ein mystischer Akt der Tapferkeit, der zur seelischen Tiefe ruft. In der Dunkelheit der Nacht und der Glut des Tages entdeckt er die Moral der Vernunft, die Schönheit des Guten und die Religion als lebendiges Band zum Göttlichen.

Es ist der Ruf zur Wiederentdeckung des Vaters im Himmel, der in einer vaterlosen Zeit so dringend gebraucht wird. Der Mann wird bereit für die heilige Aufgabe: die Wiedererrichtung gesunder Familien, in denen Mutter und Vater in ihrer gottgegebenen Würde zusammenstehen, das Göttliche im Alltag zu leben. Die persönliche Reise des Meisters – vom väterlichen Vakuum zur Gründung eines Klosters, das die Kirche im eigenen Geist und Gott im eigenen Selbst sucht – spiegelt sich in jedem, der dieses Ritual durchlebt.

Initiationsritual für Männer: Aufruf zur mutigen Umkehr und zur väterlichen Verantwortung

Im Kloster Nigredo ist dieses Initiationsritual heute das letzte und erste wahrhafte Tor für Männer in unserer zerbrochenen Zeit. Zweimal im Jahr öffnet es sich – im Januar und im Sommer – und lädt ein zur radikalen Hingabe. Wer hindurchgeht, verlässt es nicht als derselbe. Er trägt das heilige Feuer in sich: den Mut, die optimistische Hoffnung und die väterliche Verantwortung, die aus der Begegnung mit Gott im Himmel erwächst.

Es ist ein Weg der Wiederentdeckung des Göttlichen, ein Geschenk der Gnade, das die persönliche Reise des Meisters für alle zugänglich macht. Brüder im Geiste, wer dieses Ritual annimmt, wird zum lebendigen Zeugen der Wahrheit und Schönheit, die nur in Christus ihre volle Erfüllung findet. Möge jeder Mann, der den Schritt wagt, die väterliche Umarmung des Himmels spüren, gestärkt zurückkehren und in dieser Welt das Gute, das Wahre und das Schöne neu verkünden – mutig, optimistisch und für immer verbunden mit dem Göttlichen.

Möge das heilige Feuer des Kloster Nigredo in vielen Herzen brennen und die Familien unserer Zeit erneuern. Amen.

Ursprung des Initiationsrituals für Männer im Kloster Nigredo – ein mystischer Weg der Umkehr zum Vater